Landschaft als Vorwand >>

Die ausdrucksstarken Bilder Wilhelm Anton Seibetseders begeistern schon auf den ersten Blick. Abstrakte Farbwelten treffen hier auf versteckte figurative comichafte Elemente. Letztere fließen im Laufe des Malprozesses unbewusst ein, werden vom Künstler assoziativ erkannt und als formales wie auch inhaltliches Korrektiv bewahrt.

Um sich die Bildmotive zu erschließen, gewährt Seibetseder den BetrachterInnen eine größtmögliche Freiheit. Das Formulieren indi- vidueller Assoziationsketten, die sich aus psychologischer Sicht meist aus Erlebnissen der Vergangenheit und des Alltags speisen, ist vom Künstler dezidiert erwünscht. Seibetseder selbst schließt sich hier nicht aus: Die Idee, Aluminiumfolie vielfach als Bildträger zu verwenden basiert auf einer Kindheitserinnerung, wonach die Mutter in den 1950er Jahren als Konditorin Schokohasen gegossen, mit Aluminiumfolie verpackt und bemalt hatte.

Eigentlich sei er ja Landschaftsmaler, konstatiert Seibetseder in einem Gespräch, verwende Landschaft jedoch eher als Mittel zum Zweck, um seinen Bildgeschichten einen adäquaten Raum geben zu können. Und doch glaubt man immer wieder Werkinterpretationen von Landschaften William Turners, Odilon Redons, Claude Monets oder der deutschen Expressionisten zu entdecken: Geheimnisvoll, atmosphärisch, irritierend, symbolbeladen, farbgewaltig.

Mag. Hartwig Knack
Kunsthistoriker

Poet der Klänge und Farben >>

Die Bilderserien von Wilhelm Anton Seibetseder werden zu Stationen von imaginären Reisen, die von Klängen der Farben oder den Erzählungen der Zeichen bewegt werden und in ihrem Reservoir verschütteter, verlorener Visionen, Erinnerungen, Märchen und Träume. Irgendwie vermischen sich Erinnerungen von Ort zu Ort, es verdichtet sich zu einer dem Kosmischen zugewandten Vision. Gerade die Serie „Blue Garden“, die von Licht und Glanz, von Strahlen und Tanz durchwirkt ist, erfüllt mit einer poetischen Verführungskraft.

Seibetseders Kunstwelt ist stets eine Faszinierende geblieben; einerseits die überwältigende Poesie der Farben und Zeichen, anderseits das stete Neuerfinden. Sein Spektrum reicht weit: von der urtümlichen kindlich anmutenden Figürlichkeit zu einer leisen, Ornamentalität und Spiritualität verknüpfenden Abstraktion. Schriftzeichen und Figurenzeichen, Farbflächen – bei Blue Garden das inspirierende Blau – sowie Farbformen, Linienstrukturen und ruhig liegende Farbsetzungen gehören selbstverständlich zu seinem breiten Repertoire, aus dem der Künstler seine Erlebniswelt speist. So gibt sich der begnadete Farbmagier als Poet zu erkennen, ebenso auch als Märchendichter. Er ist ein Verführer, ein Schwärmer, ein Tag- und Nachträumer und doch stets ein klarsichtiger Visionär. Denn nur wissend, das solche Gesänge und Dichtungen Laute sind, ausschließlich der Wirklichkeit der Kunst angehören, wissend, dass die materielle Wirklichkeit jede visionäre Energie auszubeuten geneigt ist, um ihre eigenen Ziel gegen diese Visionen durchzusetzen, vermag das kreative Potential seine unbeirrbaren Kräfte zu bewahren.

Wilhelm Anton Seibetseders außerordentliche Kraft liegt möglicherweise in eben dieser Qualität seiner Poesie, wie sie in „Blue Garden“ anklingt. Ihre verführerische, ungeschliffene Ursprünglichkeit, ihre trotzige Heiterkeit widersteht noch der längst schon vereinnahmten Farbenfreude und der verspielten Magie. Sie schöpft aus der Erinnerung an eine spezifische Ursprünglichkeit, die längst jenseits definierbarer Zeiten und Räume liegt.

Eines der wesentlichen Merkmale in der Bilderwelt von „Blue Garden“ ist die Ungeschliffenheit seiner Malerei, die von jedem Raffinement unbelastete Ursprünglichkeit der Chiffren und Formen, die krude Lust an der ungezähmten Leuchtkraft seiner gewählten Farben. Ebendiese bis heute unverbrauchte Ungeschliffenheit des Werks vermag jenen rauschhaften zustand in jeder neuen Begegnung wachzurufen, die Seibetseders Gratwanderung zu einem je neuen Erlebnis macht. Jenseits der intellektuellen Begreif- und Begründbarkeit entfaltet diese Serie eine Sparche, deren Wurzeln im Reichtum des rohen Denkens und Fühlens liegt, das dem Mythos vertrauter ist als der Aufklärung.

Seine Ort- und Raumlosigkeit hält das Werk in der Schwebe, die die subjektive Zwiesprache herausfordert als Brennpunkt einer möglichen zukünftigen Kommunikation. Seine vom Subjekt ausgehende Energie vagabundiert frei im Raum als das ferne Echo zeitloser Dichtung über den Makrokosmos, in dem das Subjektive seine kollektiven wurzeln und Bestimmungen sucht. Es ist die Sehnsucht nach dem Schöpfungsganzen, dessen Sein einzig in der Intensivität des Subjektiven, des nur der eignen künstlerischen Vision verpflichteten „Poeta“ Objektivität, Autonomie behauptet. Aus dieser Quelle speist Wilhelm Anton Seibetseder seine Zwiegespräche in einer zeit- und ortlosen Fiktion weltumspannender Mythen. Aus dieser Quelle gewinnt die sehr eigene Vision eines poetischen Zusammenklangs kreativer Kräfte im Sinnes des Gesamtkunstwerks ein eigenes Gewicht.

DDr. Leopold Kogler
Präsident des Dokumentationszentrums für Moderne Kunst in Niederösterreich

Reise ins Unterbewußtsein >>

Wilhelm Anton Seibetseder

Farbe, Sinnlichkeit und Emotion >>

DDr. Leopold Kogler
Präsident des Dokumentationszentrums für Moderne Kunst in Niederösterreich

Zeichen der Zeit >>

„Auf dem Gebiet vor dem Tempel, soweit es das Auge erfasste, grub man die Leichname aus und überführte (metephorée) sie in eine andere Gegend von Delos.” (Herodot)

Die Metapher ist vielleicht das Prinzip der Neuerung schlechthin. Das Sehen dieses ausgesprochenen bildhaften Bereichs entspringt, nach Ansicht der alten Griechen, der ingeniösen Tätigkeit. Sowohl bildhafter Bereich als auch die Tätigkeit des Sehens sind weder rational ableitbar noch eindeutig festlegbar. Aber die Metapher bringt uns dazu, das Neue zu sehen.

Wesentlich scheint mir der Umstand, dass die Metapher im non-verbalen Bereich wirkt und dass sie zu unmittelbarem Sehen führt. Bilder scheinen die größere Realität zu haben, sie sind dem metaphorischen Denken näher.

Wilhelm Seibetseders Bilder sind Fundstücke aus fractalen Landschaften. Materialproben aus immateriellen Territorien. Sie versetzen uns zurück in die Renaissance und generieren außer acht gelassene Möglichkeiten.

Er bringt uns Bilder aus einer non-verbalen Welt der Farben und der Haptik, die keine Trennung zwischen dem eigenen Körper und dem Horizont zulässt. Sie kennen keine Arbeitsteilung zwischen Kunst und Wissenschaft, zwischen Innenwelt und Außenwelt, zwischen Wahr und Falsch, zwischen Objekt und Subjekt.

Stellen Sie sich vor, ihr Selbst endete nicht an der Außenhaut, in der die Berührungsnerven sitzen, sondern es gehe mindestens so weit, wie Ihr Auge reicht. Dann wären die Bilder in diesem Katalog nicht Außenwelt, sondern Teil Ihres Selbst, wie alles, was sie eben sehen.

Ich sage Selbst – aber dieses Selbst wäre dann nicht anders beschaffen, als es Ihnen durch Ihr Driften in unserer Kultur und Sprache gegeben ist. Sie würden wohl weniger sich selber von außerhalb bei der jeweils ausgeübten Tätigkeit sehen und eher ganz bei der Sache sein – ich meine, Sie würden selber Teil der Tätigkeit sein, Sie würden in der jeweiligen Sache versinken. Ihr Selbst wäre, auch für Sie nicht von dem zu trennen, was Sie gerade tun.

Wären Sie in einer solchen Bewusstseinslage Betrachter eines Bildes, so wären Sie wohl Teil dieses Bildes und das Bild wäre ein Teil von Ihnen – ich meine jetzt nicht im übertragenen Sinne, sondern im adäquatem Sinn -, so wäre das Bild, alles was Sie sähen, vermutlich viel konkreter, weil Ihre Sache.

Ästhetik wäre dann wohl die oberste Wissenschaft (wenn es so etwas wie Wissenschaft überhaupt gäbe) und Phänomenologik käme wohl vor aller anderen Logik. Ich weiß nicht, ob es das Wort „Ich” überhaupt gäbe, oder welche Bedeutung „Selbst” hätte und ob es überhaupt einen Unterschied zum „Du” machte.

Natürlich wären wir nach wie vor Menschen. Aber Sie und ich wären wohl doch eine völlig andere Art Menschen, als wir es jetzt sind. Natürlich hätten wir eine gemeinsame Sprache (was sonst sollte uns denn zu Menschen machen?), aber wie wäre unsere Sprache beschaffen? Sie hätte schließlich ganz andere Bedingungen zu beschreiben – vielleicht würde diese Sprache gar nicht beschreiben, sondern sein, auf Ausdruck käme es schließlich nicht mehr an. Der Vollzug wäre Ndann ja wohl nicht mehr von Beschreibung sinnvoll zu trennen, wie z.B. in der Aussage „Ich habe gemalt”.

(Quelle: Wilhelm Seibetseder Malerei - Galerie Ariadne 1989)

Erich Mandl, Katalog 1989

Im gleißenden Licht des Mondes >>

Neue Natur-Mystik in Malerei und Plastik

Zwei jüngere Künstler, die bereits seit ein paar Jahren durch interessante Varianten traditioneller expressiv-abstrakter Malerei auffallen, zeigen ihre Weiterentwicklung: Wilhelm Seibetseder, stets von Naturerscheinungen ausgehend, wird geheimnisvoller, ätherischer, obwohl er zugleich mit schier haptischen Materialreizen experimentiert.

Helmut Fian, bisher als starker Kolorist bekannt, wagt sich ins Dreidimensionale vor. Sein „Weg der Masken“, eine Reihe von Wanderobjekten aus bemaltem Papiermaché über gebogenem Drahtgitter, bezieht sich auf die geistige Welt des großen Mythenforschers Claude Lévi-Strauss, der ja auch als Programmatiker der „Spurensicherer“ der siebziger Jahre gelten kann. Im Vergleich zu deren Anliegen stehen nun doch formale Fragen im Vordergrund. Fians Gebilde tragen den Anspruch fernöstlicher Meditationsriten in sich.

Die großformatigen Gemälde Wilhelm Seibetseders verherrlichen das Diffuse, das Sein im Nicht-Definierten, im Niemandsland zwischen Leben und Tod. Seine subtilen Farben, die zartestes Rosa mit Grau, Weiß und Silberpigmenten auf einer Leinwand vereinen, sehr oft aber auch eine Art Tiefsee-Skala vor Augen führen, schenken dem Betrachter Hoffnung; überdies gewähren sie ein höchst ästhetisches Erlebnis.

(Galerie Ariadne, Wien 1.,Bäckerstraße 6, bis 18. März)

(Quelle Die Furche Nr. 10/10.März 1989)

Gabriele Kala

Malerei findet statt >>

Es gibt eine ganze Reihe von Möglichkeiten, die einmal erkannte Notwendigkeit, malen zu müssen, auch auszuüben: die vorauseilend planende, die im nachhinein interpretierende, die schlitzohrig beobachtende und dann selbstverständlich die entweder den Erfolg oder die Kontroverse suchende.

Alles zusammen sind Wege des Fortkommens, die ein Gegenüber, ein Publikum brauchen, mit diesem rechnen, spekulieren, vielleicht sogar darauf reagieren.

Bei dem 1953 in Radstadt geborenen Wiener Maler Wilhelm Seibetseder kommt das Gefühl auf, da malt einer mit sich selbst und lässt sich überdies von dem, was da mit ihm geschieht, auch noch überraschen. Man spürt förmlich, seine Bilder passieren ihm, finden statt unter großäugigem Staunen und verblüffter Bewunderung des Ausführenden. Befragt, gesteht er auch. Malen ist Suchen für ihn, sich leiten lassen, sich den heranstürmenden Assoziationen hingeben. Das hat freilich nichts mit Automatismus zu tun und willenlosem Geschehenlassen. Es scheint eher der ambitionierte und über weite Strecken auch gelungene Versuch, den alten Kampf zwischen Gefühl und Verstand, diesen ständigen Begleiter in den Gefilden der Kreativität, ganz persönlich zugunsten des Nichtrationalen
zu entscheiden. Dabei ist freilich die Bewusstheit nicht ausgeschaltet. Im Gegenteil, sie wird zur scharfen Beobachterin und Rückmittlerin dessen, was im Schaffensprozess geschieht.

Wilhelm Seibetseders Arbeiten sind Zeugen der Auseinandersetzung des Malers und seines Gestaltungswillens mit den in nichtbewussten Ebenen angesiedelten Kräften, die wirksam sind,
ob wir sie quälen oder ihnen freien Lauf lassen.

Wilhelm Seibetseder in der Galerie Ariadne 1989

(Quelle: Parnass März/April 1989)

Dr. Herbert Giese

Wilhelm Seibetseder in der Galerie im Kursalon >>

Mödling – Wilhelm Seibetseder, Jahrgang 1953, geboren in Radstatt/Salzburg. Absolvierte die Akademie der Bildenden Künste in Wien unter Prof. Max Weiler und Prof. Arnulf Rainer. Der Künstler, der ein weites Spektrum an Ausstellungen nachzuweisen hat, gestaltete zahlreiche Bühnenbilder – unter anderem auch zu Friedrich Guldas Konzerten.

Seibetseders Bilder – Öl auf Leinwand -, die er im Mödlinger Kursalon aufstellte, sind Fundstücke aus fractalen Landschaften. Materialproben aus immateriellen Territorien. Wir nennen es Seelenverbindung zur Materie. Nicht mit dem klaren Verstand messbar, wie Rubens oder Rembrandt. Sondern mit dem inneren Auge erkennbaren, seine Phantasie freien Lauf lassenden Irrealen.

Das Einführungsgespräch von Dr. Herbert Giese wies sehr eindringlich auf die Problematik unserer heimischen Künstler hin, die oft erst im Ausland zu Ruhm und Ehre gelangen, bevor sie im eigenen Land anerkannt werden.

Vielleicht sollte so mancher Gönner keine Millionenbeträge für ausländische Stars investieren, sondern auch einmal österreichische Künstler hilfreich unterstützen.

Sichtlich beeindruckt von den Werken zeigten sich auch die zahlreich erschienenen Gäste, allen voran Bürgermeister Harald Lowatschek, Vize Karpfen, Bezirkshauptmann Heinz Eischer, Stadtrat Blaschka u.v.a. Dr. Elisabeth Heller, die jahrzehntelang die Kulturreportagen schrieb, fühlte sich in dieser illustren Runde sichtlich wohl.

(Quelle: Neue NÖN Woche 10/1995)

Monika Sieghardt

Als unterhielte sich die ewige Harmonie mit sich selbst >>

„Nichts kann mehr zu einer Seelenruhe beitragen,
als wenn man gar keine Meinung hat”

Georg Christoph Lichtenberg

Kunstausstellungen polarisieren, insbesondere jene von Wilhelm Seibetseder. In Zeiten permanenter Abmagerungskuren sind mehrschichtig pastos gemalte Ölbilder für viele ein Gräuel, ein unverzeihlicher Rückfall in längst überwunden geglaubte Kulturepochen. Die ganz Gescheiten behaupten, die Malerei sei tot, die weniger Gescheiten lieben, sammeln und behüten sie. Ich hoffe, dass jeder kultivierte Österreicher zeitgenössische Malerei liebt oder sie zu lieben lernt. Die ganz Gescheiten bevorzugen Gedankenkunst d.i. Konzeptart, Computer- und Videokunst, Minimalart, Kontextart – und die geistig weniger Bemittelten (die Gefühlsmenschen) Expressionistisches, Gestisches, Realistisches und Neo-Impressionistisches.

Die gezeigten Ölbilder sind Malerei pur. Immer wieder kommt es vor, dass sie von Sehbehinderten mit Bildern des Oberösterreichers Gunter Damisch verwechselt werden. Beide Künstler sind dem Wesen nach so verschieden, dass es nicht einsehbar ist, wie es zu Verwechslungen kommen kann. Die Unsitte, Künstler gegeneinander auszuspielen, ist die billigste Methode vorlauter Besserwisser. Sowohl Künstler als auch Sammler dienen einer übergeordneten Sache, nämlich der Kunst, und freuen sich, wenn ein Bild gelungen ist.

Die Freude darüber kann so groß sein, dass man vergisst zu fragen, ob es avantgardistisch, traditionalistisch oder sonst einem Ismus verpflichtet sei. Schönheit und Gefühlsreichtum lassen weiteres Fragen verstummen.

Solche „zeitlosen” Bilder gibt es von Wilhelm Seibetseder. Die deutsche Sprache hat für das geschundene Wort Schönheit keine adäquaten Begriffe zur Verfügung. Künstler ist, wer in Kunstwerden Schönheit wiedergeben kann. Er ist ein Lichtbote inmitten ameisenhafter Geschäftigkeit.

Wer auch immer Kunstausstellungen eröffnet, gerät in Bedrängnis, denn nur ungenau kann man verbal der Malerei zuleibe rücken. Wort und Materie sind und bleiben verschiedene Medien. Gesprochene Worte verblassen vor dem gemalten Bild. Das abstrakte Wort kann mit der Farbigkeit des Bildes nicht konkurrieren. Seibetseder-Bilder haben nichts mit problematischer Gedankenmalerei zu tun, sie kommen aus dem Gefühl, unbändiger Sehnsucht nach Schönheit, kosmischer Weite und Erdverbundenheit. Himmel und Erde begegnen einander. Konzeptkunst und Malerei stehen fremd einander gegenüber. Als gedankenarmer Sinnenmensch bevorzuge ich die Letztere. (Obszöne Kritzeleien an Hauswänden sind mir lieber, weil lebendiger, als aufwendig gestaltete Installationen in Kunsthallen.) Die überspitzte Behauptung, Malerei sei tot, kann nur so verstanden werden, dass Ölmalerei heute antiquiert sei, dass sich künstlerischer Fortschritt nur in zeitgemäßen Medien manifestieren könne. Ja und nein. Kühn behaupte ich, solange es Menschen gibt, wird es auch Malerei geben. Ich kann mir nicht vorstellen, dass Kunstfreunde ein Leben lang sich mit Installationen oder Videokunst abspeisen lassen. Kunstbestätigung nur im Kopf, durch überhitzte Subventionitis ein Scheinleben führend, kann nicht die Kunst der Zukunft sein. Auch Brot und Milch kann durch Astronautenkost nicht ersetzt werden.

Seibetseders kosmisch gesättigte Malerei kommt nicht aus Selbsthaß und Ablehnung des Individuellen, sondern aus der Seinsfülle. Wer Farbengluten ausweicht, weicht Lebendigem aus. Totes hat keine Farben anzubieten. Wer Malerei erwirbt, bezeugt, dass er noch lebe und kein Computerwesen sei. Die seit Jahren anhaltende Zwangsbeglückung mit blutleeren Kunstismen kann nicht der Stein des Weisen sein. Van Gogh sah sich zuerst den Menschen an, dann erst seine Kunst.

Ich kann mir vorstellen, dass immer mehr Menschen Bilder von Wilhelm Seibetseder sehen und erwerben möchten. Ist er ein österreichischer Jan Sibelius der Malerei.

(Quelle: Vernissage 5/95)

Von Prof. Wolfgang Graninger, Ausstellung Zürich Kosmos Wien 1995

Elementare Werke >>

Neulengbach/Werke von Wilhelm Seibetseder sind seit vergangenem Sonntag in der Galerie im Gerichtsgebäude zu sehen.

Seibetseder, der seit Jahren in Maria Anzbach wohnt, stellt seine abstrakten Bilder auf Einladung von Erna Geiger und der Kulturvereinigung unter Prof. Lotte Hahn und Heinz Syllaba aus.

Seibetseder, der unter anderem bei Prof. Arnulf Rainer und Prof. Max Weiler studierte, kommt von der Landschaftsmalerei. Sein Weg führte aber in die Abstraktion. Die abstrakten Werke, die er im Gerichtsgebäude ausstellt, sollen zum „bewussten Schauen“ verführen.

Die feierliche Eröffnung nahm LAbg. Dr. Martin Michalitsch vor. Unter den Ehrengästen: NR Bgm. Johann Kurzbauer, der Präsident der NÖ Dentistenkammer Franz Kellerer, Vizebgm. Rudolf Teix, Raiba-Vorstandmitglied Josef Frank und „Künstlerkollege“ Lothar Bruckmeier.

(Quelle: NÖN Woche 20/1997, Neulengbach)

Rainer Schüler in Galerie im Gericht

Gemalte Teppiche des Lebens >>

Der farbenbrünstige Riese steht aufgeplatzt vor uns, reckt sich, und wir rätseln, aus welcher Ecke er kommt. Verbindungsstränge seiner Malerei führen zurück zu den Seerosenbildern von Claude Monet, zu den späten Pastellwundern von Adolf Hölzel und zur Natur-Monumentalsymphonik von Jean Sibelius.

Eine auf- und abregende Symbiose, erzkonservativ und doch glühend-schön-neu, die so noch nie stattgefunden hat. Fanatische Malereiliebhaber können sich in den mehrfach übereinander getürmten Farbschichten satt schwimmen, auch haben sie das einmalige Gefühlserlebnis in kosmische Wirbel zu geraten.

Manchmal stapft der Riese ungeniert in den Farbseen herum, sodaß „herrlicher Kitsch” herausspritzt. Er sieht es, und mit disziplinierten Malschichten deckt er den „Fehltritt”, die Sünde wider der Malerei zu.

Vielleicht sündigt er oft und tut oft Buße?

Was wissen Saubermänner vom Leben eines Titanen?

Man kann Graninger nicht ernst nehmen, wenn er so überschwänglich schreibt. Egal. Ich sehe,
was ich sehe.

Und echte Begeisterung darf nicht gebremst werden. Die säuerlichen Kritiker, die auflodernde Begeisterung nicht kennen, tun mir leid.

Ich liebe Bilder, nicht Theorien.

Ich liebe Menschen, nicht die Anatomie.

Ich liebe das „Allerheiligste” im Herzen, nicht Installationen.

Ich bin unruhig, weil Leben brennt.

Kann der Sammler ohne Bilder leben?

Kann der Maler ohne seine Malerei leben?

Die Einführung in ein Künstler-Werk soll nicht skelettieren, sie soll das Wesen durch entsprechende Metaphern sehbar, erkennbar machen. Das Vorwort soll einen Begeisterungsstoß versetzen, mehr nicht. (Denn der Betrachter ist mündig und kann selbst entscheiden, ob ein Werk weiterhilft oder nicht.) Was ist noch zu sagen?

Das intellektuelle Raunzen überlasse ich den vom Leben (?) Verkürzten, auch wenn es noch so
interessant ist.

Der echte Sammler bestärkt, ist Anreger.

Mit einer Textstelle von Maurice Vlaminck schließe ich ab. (Bitte zehnmal, hundertmal lesen!!)

„Die Gefühlskraft des Malers, seine Liebe und Achtung vor dem Leben sind die einzigen Bedingungen des Wunders: Das „bleibende“ Schöne, vom zufälligen Stoff gelöst. Das Thema steckt im Menschen. Oder noch besser: Das Thema ist der Mensch!”

Prof. Graninger, Katalog 97

Painted Tapestries of Life >>

The colour-crazed giant towers up before us, stretches, and we ask ourselves where his roots lie. His piantings conjure up reminiscences of Claude Monet’s water lily pictures, the late pastel miracles of Adolf Hölzel, and the towering natural edifices of Jean Sibelius’ symphonic writing.

An exciting, placating symbiosis, arch-conservative and yet passionately, magnificently new, never before glimpsed in this form.

Aficionados of phantastic painting will swim to their hearts’ content in the superimposed layer of colour and will revel in the unique emotional experience of drifting into a cosmic vortex.

On occasions the giant tramples ebuliently in his lakes of paint, squirting out ”wonderful kitsch”. It does not escape him, an de covers his traces, conceeals his violation of the art form, beneeath disciplined layers of paint.

Perhaps he often sins, and often does penance.

How can squeaky clean mind comprehend the life of a Titan?

You can’t take Graninger seriously when he lapses into such inflated language. Fine. But I see what I see. And nobody has the right to stand in the way of sincere enthusiasm. The crabby critics who have never been overwhelmed deserve our commiseration.

I love pictures, not theories.

I love people, not anatomy.

I love the ”Holy of Holies” ind the heart, not installations.

I am restless becaouse life is on fire.

Can the collector live without pictures?

Can the painter live without his painting?

An introduction to a painter’s work is not supposed to dessect but to articulate the essence by its choise of the right metaphors. The preface is there to prompt enthusiasm, and that’s all. (The spectator, after all, is emancipated enough to be perfectly capable of deciding for himself/herself whether a painting says anything or not.) And that’s that.

Let the intellectual fault-finding be the business of those who have been shortschanged by life (?), however interesting it may sound. The true collector is a person who engenderes strenght and ideas.

I should like to close with a quotation from Maurice Vlaminck. (Please read ten times – a hundred times!!)

”The painter’s emotional capacity, his love of and respect for life are the only preconditions for the miracle: The ‘enduringly’ beautiful divorsed from its random substance, the theme is intrinsic to man. Indeed, the theme is man himself!”

Prof. Graninger, Katalog 97

Welt der Farben >>

Wilhelm Seibetseder zeigt „Sonnentänze”

Ungehemmte Freude an der Farbe verströmen die großformatigen Acrylbilder von Wilhelm Seibetseder.

Knallgelb bis kohlrabenschwarz: Intensive Kontraste und jede Menge Farben sind die charakteristischen Merkmale der Bilder des gebürtigen Salzburgers Wilhelm Seibetseder. Das Dokumentationszentrum für Moderne Kunst zeigt zur Zeit unter dem Titel „Sonnentanz“ eine Auswahl seiner neueren Werke.

Fürs schnelle Vorbeilaufen eignen sich die Bilder allerdings nicht. Seibetseders Arbeiten sind subtil in mehreren Farbschichten aufgebaut. Was er macht, mag an das Spätwerk von Claude Monet oder an die Farbbesessenheit eines Van Gogh erinnern. Die Realität hat sich zu Farbflecken verflüchtigt, oder sie wird vom Betrachter aus der Farbensymphonie überhaupt erst rekonstruiert.

Eine Hilfe bei diesem Spiel mit den Illusionen des Auges ist für den Künstler offenbar seine Arbeit als Bühnenmaler. Er stellt nämlich seit einigen Jahren Bühnenbilder für große Opernhäuser her. Die Vielschichtigkeit der Bilder Seibetseders bietet – Geduld und offene Augen vorausgesetzt – eine Fülle von visuellen Entdeckungen.

(Quelle: NÖN Woche 11/1999)

NÖN 1999

Vom Auftrag der Kunst >>

In einer Zeit, da die Kunst nicht mehr im Sold der Macht steht, da es nicht mehr darum geht, Gott, Kaiser und Vaterland zu verherrlichen, da das Bürgertum andere Formen der Selbstdarstellung gefunden hat und auch der „Selbstzweck” (das „l’art pour l’art”) als Notlüge entlarvt scheint, in so einer Zeit haben es bildende Künstler schwerer denn je. Nicht die wenigen, sogenannten Arrivierten, deren Bilder als Hintersetzer für Politiker-Interviews herhalten müssen, die sich Staatskünstler nennen dürfen und doch oftmals nur Alibi-Funktionäre einer grundsätzlich an neuer Kunst nicht interessierten Gesellschaft sind. Nein, nicht diese wenigen haben es schwer, sondern die vielen anderen; die, die den Brotberufen nachgehen müssen, um leben zu können und Ihre Kunst zu machen, die um Anerkennung ringen und Präsentation betteln müssen, die freilich genauso ernsthaft und ernsthafter noch am „Auftrag der Kunst” arbeiten.

Dieser Katalog vereint nun drei ernsthafte Arbeiter am „Auftrag der Kunst”, bildende Künstler, die mit ihren Bildern „mitbauen” an einer neuen, visuellen Welt.

Auch wenn es etwas altmodisch klingen mag: einer der Hauptaufgaben der Kunst ist es, Erkenntnis zu gewinnen und diese Form des Kunstwerkes der Welt zugänglich zu machen. Auch wenn die Welt meist ignorant ist; mit einer Verzögerung akzeptiert sie diese Form der Erkenntnis, ja sie macht sich diese dann – für den Künstler oft zu spät – wie selbstverständlich zu eigen.

Kunst schaffen hat mit Erschaffen zu tun. Der Künstler ist Schöpfer. Er lässt im Wortsinne neue Welten entstehen. Welten, die es vorher nicht gegeben hat, die aber mit dem Zeitpunkt ihrer Erschaffung unsere Bewusstheit, unsere Erkenntnis, unsere Welt erweitern. Aktuelle Kunst ist oft auch eine „Neue Sprache” mit deren Hilfe existentielle Fragen neu, das heißt zeitgerecht beantwortet werden. Setzt sich diese neue Sprache durch, gehört sie zum Repertoire der künstlerischen Ausdrucksformen. Denken wir nur, welch diesbezügliche Schöpfer Künstler wie Giotto oder Caravaggio, Cézanne oder Picasso, Max Beckmann oder Francis Bacon waren.

Freilich geht es nicht nur um die Sprache, es geht auch um Intensität. Kunst hat ja nichts mit Oberfläche zu tun. Es geht um Substanz, Verdichtung, geistiges Eindringen, um Eigenschaften, die mehr erspürt als benannt werden können; um Wahrhaftigkeit jedenfalls, dieses „Richtig muß es sein”, Eigenschaften, die sich nicht messen und wägen lassen.

Wenn wir nun betrachten, was dieser Katalog vereint, sehen wir, dass es um Sprache und Intensität geht. Um neue, individuelle Ausdrucksmittel (entlang der Natur oder amorph) und um ein vertikales Eindringen; um neue „Zeichen” und um Tiefe der Empfindung. Alles, was da packt und fasziniert, was nachdenklich oder auch Angst macht, was uns bedroht oder erheitert, was uns jedenfalls neugierig hinschauen lässt, verführt uns in die richtige Richtung. Wir werden verleitet, uns in neuen Welten umzusehen. Vorsichtig manchmal, auch befremdet – denn Neues ist immer „befremdlich” – auf jeden Fall aber immer mit der Chance auf Belohnung. Belohnung für die Fragen: Was passiert hier? Was will die Kunst? Was macht sie mit mir?

Die Bereitschaft neugierig zu sein, neugierig auf Fremdes, Ungekanntes, diese Bereitschaft ist die vielleicht wesentlichste Eigenschaft.

Wir sollten sie nützen.

(Quelle: mux w seibetseder a komluschan –
malerei-ausstellung in den räumen der fa. würth böheimkirchen)

Dr. Herbert Giese

Eine der Hauptaufgaben der Kunst ist es, ... >>

... Erkenntnis zu gewinnen und diese Form des Kunstwerkes der Welt zugänglich zu machen. Auch wenn die Welt meist ignorant ist; mit einer Verzögerung akzeptiert sie diese Form der Erkenntnis, ja sie macht sich diese dann - für den Künstler oft zu spät - wie selbstverständlich zu eigen.

Kunst schaffen hat mit erschaffen zu tun. Der Künstler ist Schöpfer. Er lässt im wortsinne neue Welten entstehen. Welten, die es vorher nicht gegeben hat, die aber mit dem Zeitpunkt ihrer Erschaffung unsere Bewusstheit, unsere Erkenntnis, unsere Welt erweitern. Aktuelle Kunst ist oft auch eine neue Sprache mit deren Hilfe existenzielle Fragen neu, das heißt zeitgerecht beantwortet werden. Setzt sich diese neue Sprache durch, gehört sie zum Repertoire der künstlerischen Ausdrucksformen.

Freilich geht es nicht nur um die Sprache, es geht auch um Intensität. Kunst hat ja nichts mit Oberfläche zu tun. Es geht um Substanz, Verdichtung, geistiges Eindringen, um Eigenschaften, die mehr erspürt als benannt werden können; um Wahrhaftigkeit jedenfalls, dieses richtig muss es sein, Eigenschaften, die sich nicht messen und wägen lassen.

Es geht um Intensität, um neue, individuelle Ausdrucksmittel und um ein vertikales Eindringen; um neue Zeichen und um Tiefe der Empfindung. Alles, was da packt und fasziniert, was nachdenklich oder auch Angst macht, was uns bedroht, was uns jedenfalls neugierig hinsschauen lässt, verführt uns in die richtige Richtung. Wir werden verleitet, uns in neuen Welten umzusehen. vorsichtig manchmal, auch befremdet - Neues ist immer befremdlich - auf jeden Fall aber immer mit der Chance auf Belohnung. Belohnung für die Fragen: was passiert hier? was will die Kunst? was macht sie mit mir?

Die Bereitschaft neugierig zu sein, neugierig auf Fremdes, Ungekanntes, diese Bereitschaft ist die vielleicht wesentlichste.

Wir sollten sie nützen.

Dr. Herbert Giese